Salon Z mit Marcel Haraszti: "Ernährungswende gegen Klimawandel"

PANTARHEI
Salon Z

„Ernährungswende gegen Klimawandel“ lautete das Thema des ersten Salons Z dieses Jahres. Marcel Haraszti, Vorstand der REWE International AG, diskutierte mit Theresa Imre, CEO und Gründerin des digitalen Bauernmarktes markta, und Julia Haslinger, Head of Sustainable Food WWF Österreich, über die Herausforderungen einer nachhaltigen Gestaltung unserer Ernährungssysteme. Gefolgt waren der Einladung in die Galerie Layr im Wiener ersten Bezirk rund 100 Personen aus den Bereichen Wirtschaft, Kultur, Medien und Politik.

Nicht weniger als ein Drittel aller Treibhausgasemissionen sind auf unsere Ernährung zurückzuführen, wie Gastgeber sowie Gründer und CEO von Pantarhei Markus Schindler eingangs Studien des WWF zitierte und die Frage in den Raum warf: Brauchen wir neben einer Energiewende bzw. einer Mobilitätswende auch eine Ernährungswende? Und wie könnte eine solche eingeleitet werden?

Regulatorische Maßnahmen seitens der Politik

Damit einher ging die zweite zentrale Fragen des Abends: Muss die Politik regulatorische Maßnahmen durchsetzen, um eine Ernährungswende einzuleiten oder geht es hier um eine Frage, die wir alle als mündige Konsumenten mit unserer täglichen Kauf- und Ernährungsentscheidung beantworten müssen?

Während sich Julia Haslinger und Theresa Imre überzeugt zeigen, dass an der Regulierungsschraube gedreht werden muss, steht für Marcel Haraszti, Vorstand der REWE International AG, fest, dass der selbstbestimmte Kunde die Wahl haben muss, was er kaufen und essen möchte: „Die Politik sollte unterstützen, dass wir nachhaltige Produkte leistbarer machen können. Wir kämpfen in Österreich etwa mit extrem hohen Lohnnebenkosten. Grundsätzlich ist es unser Auftrag, neun Millionen Menschen zu versorgen, das ist eine sehr große Verantwortung. Das Essen soll dabei gut schmecken, leistbar sein und idealerweise nachhaltig. Unser Ziel ist es, den Menschen Angebote zu machen, entscheiden dürfen sollen sie aber selbst.“

Re-Regionalisierung und Bewusstseinsbildung

Für Theresa Imre ist es mit Angeboten alleine nicht getan: „Wir haben nicht die Zeit, abzuwarten, bis die nächsten drei Generationen vielleicht verstehen, dass unsere aktuellen Ernährungssysteme nicht mehr tragbar sind.“ Die Gründerin und Geschäftsführerin des Online-Bauernmarktes, der gerade eine erste Filiale in der Wiener Alser Strasse eröffnete, betont: „Wir brauchen wieder mehr kleinbäuerliche Familienbetriebe. Waren es um 1990 noch 335.000 sind es jetzt mit rund 110.000 um zwei Drittel weniger. Und in Hinblick auf die Konsumenten ist es essenziell, das Bewusstsein für eine nachhaltige und gleichzeitig gesunde Ernährung zu schärfen und ein Umdenken zu erwirken.“ Julia Haslinger ergänzt: „Die Umstellung wird nicht sofort passieren, denn Ernährung ist auch ein kulturelles Thema.“

Doch ist eine Re-Regionalisierung die Lösung des Problems? „Wir haben, wie erwähnt, einen Versorgungsauftrag. Wir müssen als Rewe die Masse ansprechen aber den Menschen natürlich auch Alternativen bieten. Wir liegen etwa mit unserer schon vor über 30 Jahren etablierten Eigenmarke ‚Ja! Natürlich‘ weit über den EU-Bio-Standards, wir haben die Käfighaltung bereits 1996 abgeschafft und in Österreich auf 100% Frischfleisch aus Österreich umgestellt“, konstatiert Marcel Haraszti. Julia Haslinger ergänzt: „Fleisch etwa wird jedoch aktuell enorm rabattiert – hier lautet meine Forderung, die Mehrwertsteuer auf Obst, Gemüse und Hülsenfrüchte zu streichen. Die Wirtschaft muss innovative Konzepte entwickeln und etablierte Unternehmen müssen entsprechende Angebote machen sowie ihre Reichweite und Kommunikationsmöglichkeiten nutzen.“ Zentral sei darüber hinaus Bildungs- und Aufklärungsarbeit etwa an Schulen.